Wenn dein Kind dich triggert und was das über dich erzählt
Du kennst diesen Moment. Dein Kind macht etwas — und plötzlich bist du nicht mehr einfach genervt. Es ist mehr. Eine Welle. Eine Hitze. Eine Reaktion, die sich zu gross anfühlt für das, was gerade passiert ist.
Vielleicht schreist du.
Vielleicht ziehst du dich innerlich zurück.
Vielleicht sagst du etwas, das du hinterher bereust —
und fragst dich: Warum reagiere ich so? Das war doch gar nicht so schlimm.
Genau hier beginnt etwas Wichtiges. Denn wenn eine Reaktion grösser ist als die Situation es rechtfertigt, dann spricht meist nicht nur der Elternteil in dir. Dann spricht auch das Kind, das du einmal warst.
Was ist ein Trigger?
Das Wort «Trigger» wird heute viel verwendet. Gemeint ist: etwas im Aussen berührt etwas im Innen. Die geht einher mit der Grundannahme in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) “Andere Menschen sind lediglich der Auslöser für unsere Gefühle, niemals die Ursache”. Der Auslöser ist nicht irgendwas — sondern etwas, das noch nicht abgeschlossen ist. Eine alte Wunde. Ein Bedürfnis, das früher nicht gesehen wurde. Eine Erfahrung, die in dir gespeichert ist.
Wenn dein Kind schreit und du innerlich einfrierst — vielleicht wurdest du als Kind für laute Gefühle bestraft.
Wenn dein Kind dich ignoriert und du verzweifelt reagierst — vielleicht gab es eine Zeit, in der du unsichtbar warst.
Wenn dein Kind «Nein» sagt und du sofort das Gefühl hast du verlierst die Kontrolle — vielleicht hast du gelernt, dass Widerspruch gefährlich ist.
Dein Kind hat den Trigger nur ausgelöst, es ist nicht die Ursache. Es hat nur den Raum berührt, in dem er schon lange wartet.
Das bedeutet nicht, dass du schuld bist
Hier ist das Wichtigste, das ich dir sagen möchte: Trigger zu haben macht dich nicht zu einer schlechten Mutter oder einem schlechten Vater. Es macht dich menschlich. Wir alle tragen Erfahrungen mit uns, die uns geprägt haben — lange bevor wir selbst Eltern wurden. Und es geht auch nicht darum die Menschen, die uns geprägt haben zu verurteilen. Hier lebe ich auch mit der Grundhaltung der GFK “Jede/r gibt jederzeit sein / ihr Bestmögliches”. Denn alle von uns, tragen ihre ganz eigene Geschichte. Einen Grossteil unserer Generation hat den Luxus sich diesen Themen anzunehmen, weil die Grundsicherheit erfüllt ist.
Das Problem entsteht erst, wenn wir unsere Trigger nicht kennen. Wenn wir nicht wissen, woher die Welle kommt — und sie deshalb unbewusst an unsere Kinder weitergeben.
Was du tun kannst — jetzt, in diesem Moment
Wenn du das nächste Mal merkst, dass deine Reaktion grösser ist als die Situation: halte kurz inne und sei neugierig. Frag dich innerlich:
Wie alt fühle ich mich gerade — wirklich?
Kenne ich dieses Gefühl von früher?
Was hat das Kind in mir in diesem Moment gebraucht?
Das sind keine Fragen, die du in der Hitze des Moments vollständig beantworten musst. Aber sie öffnen eine Tür. Und hinter dieser Tür liegt oft mehr Verständnis — für dich und für dein Kind.
Veränderung beginnt mit Bewusstsein
In meiner Beratungsarbeit erlebe ich immer wieder: wenn Eltern beginnen, ihre eigenen Muster zu verstehen, verändert sich die Beziehung zu ihren Kindern. Ohne dass das Kind sich verändert hat, sondern weil der Elternteil mit anderen Augen schaut.
Das ist kein schneller Prozess. Aber er beginnt mit genau diesem Moment — dem Moment, in dem du dich fragst: Was erzählt mir meine Reaktion über mich?
Ich unterstütze Dich dabei, deine Trigger zu erkennen und anzunehmen, damit du in Zukunft bewusster reagieren kannst — und die Beziehung zu deinem Kind (und dir selbst) tiefer wird. Wenn du neugierig geworden bist, wie das für dich aussehen könnte — ich freue mich auf ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit dir.